Wenn Projekte scheitern - ein (persönliches) Drei-Jahres-Recap

Foto von Joshua Earle auf Unsplash

Vor drei Jahren habe ich mich auf ein neues Projekt eingelassen, voll des Tatendranges. Heute bin ich deutlich schlauer - ein kleines, nachdenkliches Recap!

Dreieinhalb Jahre ist nun ein Gespräch her, das mich und insgesamt zwei Teams komoplett überzeugt hat: Tapetenwechsel nach siebeneinhalb Jahren, viel Potential, viele Ideen, “alles sei möglich” und überhaupt - wo der Staub der Vergangenheit und der fehlende Fortschritt die Bremse waren, stellte sich diese Perspektive als virtuelles Gaspedal in die eigene Zukunft dar. Zu gut, um wahr zu sein - und wahr zu werden, das weiß ich spätestens heute, wo sich der Antritt an neuer Wirkungsstätte zum dritten Mal offiziell jährt.

Zugegeben - man hat seinen Job gut gemacht, eben diesen Tapetenwechsel als nächsten perfekten Schritt zu verkaufen. Klares Commitment, klare Aufmerksamkeit, Vorschuß-Wertschätzung: Das fühlte sich schon gut an und ich glaube, genau das sollte auch so sein. Wie das aber mit dem Pakt, den man mit anderen (ich möchte nicht despektierlich wirken und “dem Teufel” sagen) eingeht, eben so ist - jede Licht- hat auch ihre Schattenseite(n), aber die Summe erstaunt in der eigenen Retrospektive nach drei Jahren schon. Sind wir ehrlich, im ersten Jahr hat man es noch auf die Anfangsschwierigkeiten geschoben und im zweiten Jahr war die eigene Review-Deadline eigentlich schon erschöpft und hat nur aufgrund einer neuen und der einzig logischen regionalen Aufteilung das dritte Jahr ermöglicht. Dieses dritte Jahr ist nun vorbei und der Kurs nun ungewisser denn jemals zu vor, angetrieben durch eine Quartals-fokussierte Hast und dem Versuch, trotz größtenteils toll harmonierender Menschen Ziele zu erreichen, für deren Erreichung man auch nach drei Jahren nur ein unzureichendes Toolset hat.

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Wenn zudem die Regionalität nicht passt und die Denke im nördlich-westlichen Bereichs Deutschlands sich fast gänzlich von der Denke der südlichen Gefilde unterscheidet, ist das schon einmal ein Faktor, den man schlichtweg hemmungslos unterschätzt hat: Ich weiß, warum ich Nordrhein-Westfalen so selten wie möglich verlassen möchte und warum der einzige Weg eigentlich eher hoch in den Norden (Hamburg -> Skandinvavien) geht - und die Bestätigungen dafür bekommt man in Sachen Mindset Tag für Tag präsentiert. Wenn der Wandel, den man seinerzeit einläuten wollte, durch das antiquitierte Geschäft von gestern - transaktional um jeden Preis - gebremst wird und das moderne Business getrieben durch Politik, Intrigen und dem subtilen Nicht-Tun außerhalb von Regionen einfach nicht ans Fliegen kommt, wird auch das Buzzword “KI” nichts daran ändern und plötzlich den unique selling Point in Form des sprichwörtlich goldenen Kalbs manifestieren lassen. Kollaboration besteht nicht nur auf dem Papier und wo es eher um Machterhalt denn um eine gemeinsame Strategie innerhalb eines Unternehmens geht, ist der Ausgang klar - ein gemeinsames Projekt verträgt weder Selbstdarsteller noch Menschen, die konträr zu den Unternehmenszielen arbeiten!

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Nicht der vorhandene Wasserkopf, nicht Führungskräfte, die nur strategisch (und bewusst falsch) platziert worden sind und hier weder führen noch “Kraft” - dafür aber “Geschmäckle” mitbringen (hallo, Zitronenfalter!) - oder gar einige der lang angestellten Mitarbeiter:innen von “früher” werden ihre Schlüsse ziehen - sondern die, die am Ende eigentlich noch etwas bewegen woll(t)en. “Ressourcen aufbauen” heisst nicht “Ressourcen innerhalb einer Unternehmenseinheit regional bündeln” und andere wirtschaftlich starke Regionen bewusst ausbremsen. Ein Brand aufbauen heisst eben auch nicht, einfach nur Büros aus dem Boden sprießen zu lassen, ohne eine regionale Identität schaffen zu wollen. “Sichtbarkeit” inpliziert, eine am Markt eigentlich auch nach knapp vier Jahren unbekannten Marke sichtbar zu platzieren und sich durch regionale Bindung einen Namen zu machen - es sei denn, es ist eigentlich niemals so gewollt gewesen!

Möglichkeiten zum Zuhören gab es genug - Feedback verteilt über Wochen, Monate und Jahre. Auch Inspirationen für modernes Hexenwerk im Dienstleistungssektor, was bei 90% der Marktbegleiter auch kalkularisch wie technisch gut funktioniert, wurden geteilt - mit dem Ergebnis, dass man dies entweder nicht verstanden hat oder nicht verstehen wollte, weil Kräfte im Unternehmen mit einer eigenen konträren Strategie genau das verhindern wollten. Doch wenn plötzlich jemand kommt, der wiederum jemanden kennt und einen Bereich verantworten soll, wo andere (aus Gründen und an bewusst platzierten internen Blockaden) gescheitert sind und für den diese Person noch nicht einmal ansatzweise die Befähigung mitbringt, ist das keine Strategie, sondern - gelinde gesagt - nur noch Hohn und Spott und man weiß: Eine Hand wäscht die andere - leider auf Kosten der Gesamtunternehmung!

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Projekte scheitern - das ist (eigentlich) normal und muss nicht zwingend schlecht sein. Die Frage ist, wie man damit umgeht, welche Lehren man daraus zieht oder ob man überhaupt welche daraus zieht respektive wirklich etwas ändern möchte: “Change” bedeutet, auch unliebsame alte Angewohnheiten ad acta zu legen, auf frische Kräfte zu hören, die Veränderung auch zu wollen, alte Zöpfe endlich abzuschneiden - um dann gemeinsam um die “Milestones” herum das Projekt zu bewerten, gegenzusteuern oder einen gänzlich anderen Kurs einzuschlagen. Ist das alles nicht im Bereich des Möglichen, muss man sich über das Scheitern nicht wundern - denn ein halbherzig umgesetztes und gesteuertes Projekt steht von Anfang an auf tönernen Füssen und kann eigentlich nicht erfolgreich werden, frei nach dem Motto: “Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt” - alter Wein in neuen Schläuchen ist kein objektiver Wandel.

Ich für meinen Teil möchte bewegen, möchte ändern, möchte die Leute, die noch Lust haben und (auch lange vor meiner Zeit) leere Versprechungen gehört haben, begeistern. Es gibt sie (noch), diese Leute - doch viele funktionieren aus Gründen, die ich mittlerweile selbst blind nachvollziehen kann, einfach nur noch so - weil sie sich eben mit den Gegebenheiten arrangiert haben. Das kann ich nicht, das will ich nicht - und ja, der wirtschaftliche Faktor auf dem monatlichen Kontoauszug ist toll, am Ende schafft er aber eine Dysbalace, die auch mit entsprechenden Euro-Beträgen nicht aufzuwiegen ist. Weil eben die Zufriedenheit fehlt, etwas sinnvolles und nachhaltiges zum Allgemeinwohl beigetragen zu haben - und das ist (zumindest für mich) eine der primären Motivationen und Aspekte, an denen ich meine Wirkung im Job messen mag.

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Fazit: Dieser Beitrag klingt in der Retrospektive absolut enttäuscht - und genau das spiegelt auch mein eigenes Recap nach drei Jahren wider: Ich bin enttäuscht und desillusioniert, so bitter sich das anfühlt. Ein Gutes hat die Sache, denn die alte Weisheit “You’ll never stop learning” gilt nach wie vor: Man lernt einfach niemals aus, auch nicht in den späten 40ern - Zeit also, darüber nachzudenken, wie man die eigene Zukufnt gestaltet und wie sehr man künftigen, “blumigen” Versprechen im Vorfeld Glauben schenkt, denn: Hinterher ist man immer schlauer!