Sollten wir mal wieder über Snowflake sprechen?
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„Snowflake“ - ja, da war ja mal was. Als Anfang des Jahres die landesweiten Proteste im Iran erneut aufbrandeten, stürzten sich die Medien mal wieder auf die Möglichkeit, Internetsperren mit Tools wie eben Snowflake zu umgehen. In Zeiten steigender Zensur, weiterer Durchdringung der Privatsphäre und immer mehr Einschränkungen beim Surfen im Internet ist das Tool eigentlich essentiell - und ein jeder von uns kann es leicht bereitstellen. Ein kleines Recap über ein Hilfsmittel, was leider nur punktuell wieder durch die Medien gespült wird.

Was ist Snowflake?
Technisch gesehen ermöglicht Snowflake den Nutzern, sich mit dem Tor-Netzwerk an Orten zu verbinden, an denen Tor oder der klassische Weg ins Internet blockiert sind, indem es die jeweilige Verbindung über freiwillige Proxys in unzensierten Ländern leitet. Ähnlich wie bei VPNs, mit denen Benutzer die Internetzensur ebenfalls umgehen können, tarnt Snowflake die Internetaktivitäten so, als würde man einen Video- oder Sprachanruf via WebRTC tätigen, so dass man für Internet-Zensoren weniger auffindbar ist. Explizit gesagt, sieht der Datenverkehr dann aus wie eine Verbindung zu Microsoft (meek-azure) oder eine Standard-HTTPS-Verbindung (WebTunnel): Hier müsste man also als zensierende Instanz viele Teile des Internets sperren, um ein Blocking von Videotelefonie durchsetzen zu können.
Wie bekomme ich das hin?
Die einfachste Wahl für den klassischen Nutzer ist das Browser-Plugin, welches es für Firefox und Chrome-kompatible Browser gibt. Herunterladen, aktivieren, kurz der Nutzung zustimmen und fertig: Während man den Browser geöffnet hat (ein optionaler Schalter ermöglicht auch die Nutzung bei geschlossenem Browser) stellt man somit die Snowflake-Funktionen anderen Nutzern zur Verfügung, was auch sichtbar im App-Symbol dargestellt wird.

Wer den Betrieb abseits der klassischen Browser bevorzugt, kann das Tool auch unter Debian oder FreeBSD laufen lassen - auch eine Implementierung via Docker ist möglich. In meinem Falle läuft auf meinem Synology-NAS ein kleiner Docker-Stack, der nicht viel Ressourcen benötigt und rund um die Uhr still und heimlich einen Snowflake-Proxy bereitstellt - und der auch (siehe Screenshot) rege genutzt wird. Um das zu bewerkstelligen, reicht der folgende Stack bzw. die folgende docker-compose.yml:
services:
snowflake-proxy:
network_mode: host
image: containers.torproject.org/tpo/anti-censorship/pluggable-transports/snowflake:latest
container_name: snowflake-proxy
restart: unless-stopped
# For a full list of Snowflake Proxy CLI parameters see
# https://gitlab.torproject.org/tpo/anti-censorship/pluggable-transports/snowflake/-/tree/main/proxy?ref_type=heads#running-a-standalone-snowflake-proxy
#command: [ "-ephemeral-ports-range", "30000:60000" ]
volumes:
- /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock
command: snowflake-proxy
Für wen all das nicht in Frage kommt, der kann dann für die Allgemeinheit auch das passende Widget via iframe-Code auf einer beliebigen Webseite integrieren. Aktiviert man die Funktionalität dann und lässt man das Tab im Browser offen, funktioniert Snowflake auch über diesen Weg - nicht schön, aber zweckmässig.

Das heißt?
Am Ende ist Snowflake ein Community-Projekt - man gibt marginale (und wirklich marginale!) Bandbreite im Hintergrund für einen besseren Zweck ab. Ob nun politisch getrieben oder nicht - irgendwo auf diesem Planeten gibt es immer jemanden, der keinen direkten Zugriff zum Internet hat. Ja, die Luft wird auch hier dünner und Themen wie Chatkontrolle, Vorratsdatenspeicherung und wer weiß was noch (dumme, fachfremde Ideen von Lobbyisten gibt es genug - man denke da nur an Ashton Kutcher und Thorn!) drangsalieren auch den Otto-Normal-User - aber im Gegensatz zu anderen Regionen und Ländern sind wir ja (noch) recht uneingeschränkt im Netz unterwegs. Daher kann ein Jeder seinen kleinen Beitrag dafür leisten, dass andernorts Menschen zumindest irgendwie ins Internet kommen - die Proteste im Iran waren nur ein Treiber, der sich sicherlich zig Mal auf andere Krisenherde reproduzieren lässt. Snowflake ist ein Werkzeug - und das dürfen und müssen wir nutzen, im Sinne der Allgemeinheit!

Also, lange geredet beziehungsweise geschrieben - lasst uns handeln!