Once again - der Nachtmammut Ruhrgebiet
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Letztes Wochenende war es also wieder soweit - das dritte Mal Mammutmarsch, das dritte Mal die Distanz von 42km, das zweite Mal in der Nacht: Man kann über meine (alte) Heimat - das Ruhrgebiet - sagen was man möchte, aber ein großer Teil des Flairs entfaltet sich erst, wenn die Landschaft dunkel wird und die Zeitzeugen der Industrie in der Region die Nacht beleuchten. Nur wenig kommt da ran und als Kind der 80er Jahre des vergangenen Jahrhundert weiß man auch, das Schönheit definitiv was anderes ist, auch wenn die Region sich heute oftmals runderneuert gibt. Wohne ich doch heute im Münsterland, während der Kopf immer mehr nach Skandinavien auswandern will, ist der „Pott“ doch nicht weit weg und ich immer noch sein Junge - irgendwie. Also war auch dieser Mammutmarsch ein Heimspiel - allerdings diesmal unter erschwerten Bedingungen!

Ja, die bisherige Zeit der (ersten beiden) Schönwetter-Läufe von 2025 und 2026, sie war vorbei: In Sachen Wettervorhersage gab es recht schlechte Prognosen mit über 70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit - sinnigerweise am Samstag und am frühen Sonntag. Timing war alles und so ging es um 19 Uhr in den Startkanal, aufgrund der dunklen Wolken bereits mit Regenschutz für Mensch und Rucksack. Pünktlich um 19:15 zum Start öffneten sich dann die himmlischen Schleusen und die ersten acht Kilometer bis zum ersten Versorgungspunkt - der diesmal recht früh angesetzt war - waren dann schon mal ordentlich verregnet. Kein Starkregen (diese Challenge kam später in der Nacht), aber schon spürbar und nicht zwingend motivationsfördernd - somit hatte ich aber auch die Schönwetterkrone beim Mammutmarsch dann endlich mal abgelegt!
Der Versorgungspunkt selbst fungierte aufgrund der Wetterlage unter dem Label „durchlaufender Posten“ und nach einer Bio-meets-Banana-Break ging es dann auch erstmal weiter. Zwei Kilometer regnete es dann noch fröhlich weiter, bevor - passend zur Wettervorhersage - der Himmel aufklarte und uns bis zum Tetraeder in Bottrop begleitete. Schnelltrocknende Wanderhosen sind übrigens eine tolle Sache - Spoiler: Irgendwann können sie aber auch nichts mehr ausrichten, doch dazu später mehr! Der Aufstieg zur Halde Beckstraße mit seinen 387 Stufen war dann wie üblich der vorgezogene Endgegner und gefühlt wurden fast alle Höhenmeter der gesamten Strecke dort platziert. Auch diese Station mit dem zweiten Versorgungspunkt hatte eine eher unübliche Positionierung, war ich dann doch schon bei Kilometer 22 und über die Halbzeit (und den eigenen Pulsgrenzwert von 184 im Peak) hinaus - und irgendwie trieben mich diese Treppen heute fast über die Klippe.

Kurze Pause, wieder eine Banane, ein Energieriegel und ein Energy Gel und endlich ging es wieder runter von der heute recht verhassten Halde. Nachdem ich die ersten zehn Kilometer eher im Marschtempo angegangen war, kam jetzt ein wenig die Quittung und leichte Abgeschlagenheit gepaart mit einem gefühlten Stein im Magen kratzten an der Motivation. Dachte ich in diesem Moment daran, im Oktober die 55 km in Dortmund anzugehen, musste ich zu diesem Zeitpunkt durchaus laut lachen und mir sagen, dass ich das abblase - der Körper rebellierte und die ersten schnellen zehn Kilometer forderten ihren Tribut: Rücken und Oberschenkel fühlten sich auch nicht wirklich rund an - und das trotz neuem (episch guten) Osprey-Rucksack, aber wie gesagt: Diese Treppen haben es eben in sich. Egal - nichts tun war auch keine Alternative, so mussten also die nächsten zehn Kilometer zum letzten Versorgungspunkt an Kilometermarke 32 zum Charaktertest werden.
Die Strecke verlief dann relativ unspektakulär - der Körper pendelte sich irgendwann in den „Funktioniere-einfach“-Modus ein und ich ignorierte die aufkommenden Zipperlein. Wie gesagt: Der falsche und zu schnelle Marsch am Anfang forderte jetzt seinen Tribut, aber Aufgeben war ja schließlich auch keine Lösung und so war dann der dritte Versorgungspunkt in Oberhausen dann der Startschuss für die nächste und finale Etappe, die es allerdings in sich haben und mich durchaus bestätigte, warum das Mehrgewicht mit Ersatzkleidung in diesem Fall nicht unnützes Gepäck sein sollte. Es fing wieder zu nieseln an - und obwohl ich durchaus ohne Regenjacke hätte laufen können, wurde eben diese angezogen und auch der Rucksack wieder mit seinem Nässeschutz versehen. Und dann kam, was kommen musste - die wirkliche Taufe!

Quasi direkt nach den ersten Schritten nahm der Regen schon recht deutlich zu und aus dem anfänglichen Nieselregen wurden ab Höhe des RWO-Stadions dann sintflutartige Regenfälle mit Orkanböen - eine ganz neue Erfahrung, den Weg (notgedrungen) auch mal rückwärtsgehend fortzusetzen. Das Regenzeug half hier übrigens auch nur rudimentär - irgendwann (hier waren es knappe drei Minuten) hilft auch das beste „Cover“ nichts mehr und Mitwander:innen, die mit einem Poncho unterwegs waren, drohten sich gar in Mary Poppins-Derivate zu verwandeln. Aber gut - so war es dann eben: Die Kleidung durchnässt, den Gegenwind im Gesicht und das Wasser lief erst in die Schuhe rein und im Nachgang wieder raus - irgendwann war dann alles egal, denn die Restdistanz blieb. Nach fünf Kilometern ebbte dann das Unwetter ab, so dass ich stoisch, aber weit weniger frustriert als gedacht auf die letzten fünf Kilometer Richtung Landschaftspark weiterwanderte.
Fünf Kilometer to go, jedes Kilometerschild ein weiterer kleiner Etappensieg gegen mich selbst. Gegen die Unmengen an Wasser, die normale Wege zu Schlammpfützen gemacht haben. Gegen die dann doch langsam aufkommende Kälte, sobald man das Marschtempo ein wenig drosselte. Fünf Kilometer, die letzten beiden am Ende durch den Landschaftspark, noch einmal durch, wieder außen und oben rum, um am Ende von oben nach unten ins Ziel zu laufen. 42 Kilometer, die am Ende tougher waren, als ich dachte - und mich mehr als erwartet gefordert haben. Der Jubel hielt sich diesmal in Grenzen - zu froh war ich diesmal, einfach nur im Ziel zu sein, ausnahmsweise ohne jegliche Blase an den Füßen, wohl aber mit der ein oder anderen Challenge im Kopf gegen den inneren Schweinehund kämpfend. Es war geschafft - zum dritten Mal. Die 55 Kilometer am 10. Oktober in Dortmund werden sicherlich noch einmal eine ganz andere Nummer und hätte man mich nach der Zielankunft gefragt, ob bald noch 13 Kilometer „on top“ gehen würden - ich wäre wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen.

So blieb es dann am Ende wieder bei einem super Erlebnis mit neuen und ungeahnten Herausforderungen, Mistwetter quasi auf Knopfdruck und am Ende (einmal mehr) den Sieg gegen mich selbst. Die Grenzen sind nicht weg, sie waren diesmal nur verschoben - also auf zum nächsten Mal, diesmal in einer anderen Region des Ruhrgebiets und mit sicherlich neuen Dingen, die mich fordern werden. Hier hat heute definitiv der Geist über den Körper gesiegt - so sehr wie selten zuvor