Warum nicht einfach mal Publii versuchen?

Zugegeben - ich bin sehr sprunghaft, was Lösungen und Workflows angeht. Einiges überdauert, vieles ändert sich häufiger, als mir eigentlich lieb ist. So auch der Drang zum Bloggen - und die entsprechenden Plattformen dafür.
Okay, die Wordpress-Zeiten habe ich bereits lange hinter mir gelassen - was damals zu Zeiten, wo Blogs gerade aufpoppten, eine tolle Software war und das reine Blog im Vordergrund hatte, ist heute ein Mega-CMS mit zig Möglichkeiten, Plugins, Themes und eben dem Ökosystem dahinter. Über die Jahre habe ich Sachen ausprobiert (auch Classic Press), aber oftmals ist es an dem Workflow gescheitert - oder an dem “Wie-strukturiere-ich-die-Seite-samt-Optik”-Faktor, die für einen nicht grafischen Mensch mehr Arbeit bedeutete als das Bloggen an sich.
Zwischendurch kam dann die Phase der statischen Webseites zurück, ich probierte mit Jekyll und Hugo herum, nur um Ghost als Produkt (dank der Verzahnung mit dem Publishing-Workflow in Ulysses und dem iA Writer unter macOS) am Ende wieder viel besser zu finden - entsprach das doch eigentlich der Simplizität der Medium-Oberfläche, die mich und meine Gedanken seinerzeit durch die Corona-Zeit trug. Mittlerweile will ich einfach nur noch etwas öffnen, schreiben, veröffentlichen - und dann stolperte ich letztens über Publii: Eine plattformübergreifende App für macOS, Linux und Windows, quelloffen und mit direkter Veröffentlichungsmöglichkeiten in Richtung (S)FTP, S3, GitHub Pages etc. pp. - Grund genug, sich das Ganze einmal anzuschauen und - vor allem getrieben durch PHP2Shell - wieder mehr auf klassisches Flat-File-Blogging zu setzen.

Die App war schnell heruntergeladen und trotz vieler Einstellmöglichkeiten findet man erst einmal alles, was mab braucht: Ein Plugin- und Theme-System erweitern das Portfolio - teilweise kostenpflichtig, Blogging und Publishing geschieht in der App, die Datenverwaltung der Websites (ja, multimandantenfähig ist Publii auch) geschieht standardmässig lokal. Klang für den Anfang fast zu gut, um wahr zu sein - für den klassischen Start mit einer klassischen Blogidee ist aber in der Tat alles direkt verfügbar und der Fokus liegt beim Output auch auf sauberes HTML und CSS mit automatisch generierten XML-Sitemaps und genereller - auch DSGVO-konformer - Datenschutzfreundlichkeit. Der Editor kann im klassischen WYSIWYG-, im Block-Editor- (so ganz ohne Wordpress-Nostalgie geht es dann doch nicht) oder reinem Markdown-Stil verwendet werden und sollte somit alle Lager “befrieden” können.
Plugins und Themes erweitern den Funktionsumfang respektive die Optik - in meinem Fall musste ich allerdings ein selbst erstelltes Theme von Pure Blog noch einmal adaptieren und anhand der Theme-Struktur von Publii anpassen, was mit ein wenig Fummeln (und dem sinnvollen Einsatz eines digitalen Helferleins) durchaus gelungen ist. Gleiches gilt auch für die Plugins - ein Importer von Wordpress existierte zwar, meine in iA Writer / Markdown verfassten Posts konnte ich aber nicht direkt importieren, so dass auch hier ein wenig künstliche Intelligenz respektive OpenAI Codex dabei half, einen passenden Importer zu bauen. Dieser löste genau das Problem - die (überschaubare) Anzahl an Posts wanderte dann in Publii, wo ich nur noch ein wenig Hand anlegen, die Daten anpassen und die Bilder neu in die Artikeln ziehen musste.

Für den Moment ist Publii eigentlich genau das, was ich suche - eine Datenbank benötige ich nicht mehr und bin auch nicht mehr von PHP abhängig. Theming & Plugins reichen für den Anfang aus bzw. ist die Lernkurve beim Anpassen vorhandener Themes überschaubar. Der Editor und Publishing-Plattform funktionieren anstandslos, das Schreiben von Beiträgen ist auch offline möglich und Markdown wird unterstützt. Die Datenerhaltung erfolgt primär lokal, kann aber auch in Richtung Nextcloud & Co. konfiguriert werden - ebenso wie die Backups der Sites. Der klassische Webspace beim Hoster des Vertrauens kann direkt für die Veröffentlichung genutzt werden, so dass das eigene Blog schnell und sicher ans Fliegen kommt: Trotz der Versionsnummer 0.48.1 ist Publii bereits eine sehr wertige Blogging-Plattform, die auch bei den einzelnen Betriebssystemen keine Grenzen zieht und das Flat-File-Blogging so einfach wie selten zuvor macht.

Ist Publii nun das Allheilmittel für Nicht-PHP-CMS-Systeme? Sicherlich nicht, denn zu verschieden sind die einzelnen Ansprüche. Wer eine Kommentarfunktion benötigt, kann/muss diese beispielsweise extern anbinden - und ist dann gegebenenfalls doch wieder auf PHP und eine Datenbank angewiesen. Für meinen “Use Case” ist Publii aber noch ein wenig runder als Pure Blog - eben weil ich alles in der App auf dem Rechner vorbereiten kann und mir das parallele Vorschreiben spare. Was aktuell noch fehlt, ist eine Export-Funktion beziehungsweise das passende Plugin: Daran gilt es noch zu arbeiten, aber für den Moment ist mein “Switch” perfekt und dieser Beitrag stellt den ersten auf der neuen Plattform dar. Schauen wir einmal, was wird - von daher: Warum nicht einfach mal auch Publii versuchen?